Warum laufen Menschen Verschwörungstheorien nach?

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User 561

Nicht erst seit Corona fällt mir auf, dass die Menschen immer häufiger wildesten Verschwörungstheorien anhängen und mit fast schon beeindruckendem Eifer versuchen, andere von ihrem Unsinn zu bekehren. Dabei rede ich nicht unbedingt von Themen wie dem 9/11 Inside Job. Der wäre nach allen Regeln der Logik und der Naturgesetze nämlich grundsätzlich wenigstens möglich.

Ich rede vom ganz harten Tobak, der die letzten Jahre immer populärer wurde (z. B. die flache Erde, BRD GmbH) oder zuletzt neu aufkam (QAnon und die unterirdischen Kinderblutfabriken, oder ganz aktuell der heiße Scheiß: Machtergreifung der NWO, 5G-Transmitter und Nanotubes im Impfstoff, Magnetismus nach Corona-Impfung, ...).
All diese Gebilde fallen beim ersten kritischen Blick auseinander, weil sie logisch und nach allen geltenden Naturgesetzen unmöglich sind. Teilweise funktionieren sie überhaupt nur, weil von vorn herein ganz bewusst Informationen unterschlagen werden.

Mir persönlich macht das zunehmend Angst, weil die vermehrte Verbreitung und Akzeptanz ein Bild von der Gesellschaft zeichnen, das ich wirklich angsteinflößend finde. Mir ist klar, dass es unterschiedliche Bildungs- und Intelligenzniveaus gibt und dass nicht alle Menschen in der Lage sind, Kausalketten zu verstehen, komplexere logische Zusammenhänge zu erfassen, oder physikalische Gesetzmäßigkeiten zu kennen und anwenden zu können.

Dass aber gerade diese Menschen, die das eben nicht können, nun der Meinung sind, sie seien die einzigen Träger der Wahrheit und hätten mit Handy auf der Couch durch "Recherche" auf Youtube und "Forschung" im Selbstversuch zweifelsfrei bewiesen, wofür studierte Wissenschaftler und Regierungen scheinbar schlicht zu dumm sind ... weitweit,
dass alle Menschen, die anwenden, was sie in der Schule gelernt haben, als naiv betitelt werden, weil sie ja alles glauben, was "die da oben" ihnen vorgesetzt haben und dass Schulwissen grundsätzlich zu hinterfragen ist, weil die Menschen damit nur indoktriniert werden sollen ... weltweit,
dass ausgerechnet diese Menschen für diesen Unfug auf die Straße gehen, während bei wirklich relevanten Themen Karl Arsch zu Hause sitzen bleibt und
dass man inzwischen wirklich immer und überall mit diesem Unsinn konfrontiert wird ... diese ganze Entwicklung macht mir wirklich eine Heidenangst.

Ich weiß, dass das nicht zu 100% möglich sein wird, aber ich möchte in diesem Thread ausdrücklich nicht (!) einzelne Theorien diskutieren. Ich möchte auch nicht (!) verbal auf die Menschen einprügeln, die diese Dinge glauben.
Vielmehr würde ich gerne eine sachliche Diskussion darüber führen, warum das alles inzwischen so Überhand nimmt und welche Gründe es dafür gibt, dass sich so sehr viele Menschen mittlerweile von diesen Dingen anziehen lassen.

Im Idealfall überzeugt mich irgendwer davon, dass die ganze Gesellschaft nicht fortschreitend verrückt wird.
 
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User 20913

"Früher dachte man ja immer, dass es fehlende Information ist die Menschen an solche Theoriern glauben lässt. Ich glaube wir können uns darauf einigen, dass dem anscheinend nicht so ist." Irgendwo gelesen und frei aus dem Gedächtnis zitiert.

Warum sind Menschen anfällig für so etwas? Das kann ich nicht fundiert beantworten.

Warum verbreitet sich so etwas immer stärker? Hier gibt es zumindest einen Teilbereich den ich recht gut kenne.
Thema künstliche Intelligenz, soziale Netzwerke und Informationsblase.
Ums kurz zu machen: Das Ziel eines Sozialen Netzwerkes ist es, Menschen möglichst lange auf der Seite zu halten. Dementsprechend sind die Inhalte die uns präsentiert werden solche die uns am wahrscheinlichsten draufklicken lassen (wird durch KI bestimmt).
Schaue ich mir z.b. in einem Sozielen Netzwerk ein paar Artikel über die gefälschte Mondlandung an bekomme ich recht schnell nur noch Artikel die meine Meinung bestärken. Habe ich keine anderen Quellen um mir Informationen zu besorgen bin ich in einer Informationsblase.
 
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User 11065

und mit fast schon beeindruckendem Eifer versuchen, andere von ihrem Unsinn zu bekehren.
das ist so ein punkt, zu dem ich gehört habe: Wenn dich jemand von seiner Meinung (oder seinem Glauben) versucht zu überzeugen, versucht er sich in Wahrheit nur selber zu überzeugen. Jemand der fundiert an etwas glaubt, versucht andere nicht von seinem glauben zu überzeugen, sondern Diskutiert höchstens auf einer emotionslosen Ebene mit dem anderen, der anderer Meinug ist oder einen anderen Glauben hat darüber.

Und ja, je lauter jemand schreit, desto mehr muss er sich offenbar selbst von seinem Glauben oder seiner Meinung überzeugen.

Den gedanklichen Ansatz finde ich persönlich echt gut und wenn man das im Hinterkopf behält, kann sich entspannt zurücklehnen, wenn jemand so anfängt.

Ich denke zumindestens mal, das die Welt und alles und der persönliche Frust und Ärger über sein eigenes Leben und was dort alles schief läuft bereits so groß bei vielen ist, das sie nach "einfachen" Wahrheiten suchen und die komplizierteren Zusammenhänge, die nunmal zweifelsfrei da sind, einfach nicht akzeptieren, weil diese dann schnell konstruiert werden.

Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob es heute "mehr" leute gibt, die solchen Theorien hinter her laufen oder ob es nicht einfach durch verschiedene Medien, die genutzt werden können, einfach "auffälliger" ist. Ich mein, die Hexenverbrennung gab es auch schon im Mittelalter, Impfgegner gab es auch in den 80ern schon mehr als genug, nur haben die eher selten bis gar nicht eine derart große Plattform dafür bekommen.

Es ist ja auch schon zu Zeiten Trumps immer die Frage gewesen, ignoriert man diese leute und verschafft denen keine Bühne oder nutzt man die Mittel und entkräftet deren Argumente, bzw versucht das Gegenteil zu beweisen. Nach dem letzteres aber halt nicht so gut funktioniert, bin ich fast eher der Meinung, man sollte solchen leuten einfach keine Bühne bieten. (es geht hier ausdrücklich nicht um Zensur oder dergleichen, sondern einfach darum solche zu ignorieren).
 
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User 561

Dass Social Media einen wesentlichen Anteil daran haben, wenn nicht gar den entscheidenden, denke ich auch. Ist ja auch sehr naheliegend. Zumindest die Verbreitungsgeschwindigkeit könnte das gut erklären. Früher mag es genauso viele Menschen gegeben haben, die dafür grundsätzlich empfänglich sind, aber man kam mit solchen Themen ja nicht einfach so in Berührung. Seriöse Medien haben so etwas nicht aufgegriffen. Man musste also in seinem überschaubaren, unmittelbaren persönlichen Umfeld jemanden haben, der den Stein ins Rollen bringt und selbst aktiv nach "alternativen" Informationsquellen suchen. Heute wird man mit jedem erdenklichen Thema ganz unfreiwillig über Social Media penetriert, entweder über einen seiner 1.364 Facebook-"Freunde" oder über einen Algorithmus, der einem solche Inhalte präsentiert.

Also klar, Social Media sind ein Punkt.
 
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User 13109

Grundsätzlich hat der Mensch das Bedürfnis, dass für ihn alles erklärbar sein muss. Die Theorien der Verschwörer sind bewusst so einfach gestrickt, dass jeder Mensch diese versteht. Und je einfacher die sind, desto lieber wird das auch geglaubt. So ist man halt sicher, hat seine Erklärung für ein gewisses Thema und gut ist es. Dazu kommt dann eben noch das Social Media Ding, wo man dann auch endlich mal Leute kennen lernt, die genauso von der Theorie sich haben überzeugen lassen. Und schon hat man Verbündete und das bestärkt einen dann. Man muss sich ja nicht mehr kritisch damit auseinandersetzen.

Denn wie du schon sagtest: Heute glaubt man, man hätte etwas recherchiert, wenn man sich zwei / drei Youtube Videos angesehen hat.
Das ist doch dann der Klassiker. Nicht selbst denken, sich was anhören und ansehen und wenn es geschickt gemacht ist, wird es geglaubt.

Aber so viel Sorge habe ich da gar nicht: Hab letztens nen Beitrag aus den 80ern wegen der Anschnallpflicht gesehen. Die Leute hatten exakt die Argumente, die auch heute noch genommen werden.

Unfälle mit Gurt sind gefährlicher als ohne
der Gurt nimmt einem die Luft weg und das Gehirn bekommt zu wenig Sauerstoff

etc pp.

Also, alles beim alten. So ist der Mensch nunmal.
 
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User 17672

Ich finde das es sich bei den Leuten, die alles viel zu schnell glauben und nichts von dem ganzen Mist in Frage stellen, um eben jene handelt, die sich sowieso schon immer falsch, nicht richtig, oder gar nicht verstanden gefühlt haben.

So Leute sind unter sich ein gefühlt elitärer Kreis, die lassen sich in den meisten Fällen nicht mal ansatzweise was sagen, auch wenn alle erbrachten Fakten das Geschwurbel wiederlegen.

Würden diese ganzen Behauptungen wenigstens ein gewissen Quäntchen Wahrheit enthalten könnte man ja noch drüber hinwegsehen, aber wie bereits schon gesagt wurde bildet sich ja ein großer Kreis an Personen ihre Meinung über Youtube, Bild oder sonstige fragwürdige Seiten und Plattformen. Und ich denke mir dann immer wieder, ob diese Leute wirklich glauben, so einfach an Informationen gelangen zu können, die sich u.A. um die Dezimierung der Menschheit drehen z.B.
 
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User 948

Das sind alles valide Argumente die ich hier gerade lesen kann.

Aber wie erklärt Ihr, das sogar Leute die vom Fach sind ( Ärzte & Pflegepersonal als Beispiel ) so einigen Corona Blödsinn glauben ?

Konkret weiß ich von einem Arzt der seinen Patienten sogar erklärt, auf Basis der Fehlinformationen, sie sollten sich jetzt lieber nicht impfen lassen.
 
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User 20061

Aufmerksamkeit vielleicht? Wäre der erste Grund der mir jetzt einfallen würde.
 
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User 561

Stützt der Arzt sich auf "alternative Fakten" oder erkennt er die tatsächlichen Fakten an, interpretiert sie aber als harmlos? Das sind ja zwei grundverschiedene Ansätze.
 
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User 948

User 11822,

das kann ich Dir leider nicht sagen.

Nach den Infos die ich habe, hält er wohl Corona für nicht so gefährlich bzw. normal wie Grippe stuft aber die Impfungen als gefährlich ein, bin hin zur Gen Veränderungen die passieren könnten.

Auch einige wenige Pflegepersonal die mir bekannt sind laufen auf der gleichen Schiene.
 
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User 17914

Das sind alles valide Argumente die ich hier gerade lesen kann.

Aber wie erklärt Ihr, das sogar Leute die vom Fach sind ( Ärzte & Pflegepersonal als Beispiel ) so einigen Corona Blödsinn glauben ?

Konkret weiß ich von einem Arzt der seinen Patienten sogar erklärt, auf Basis der Fehlinformationen, sie sollten sich jetzt lieber nicht impfen lassen.

Bei Ärzten (Hausärzten) frage ich mich: Sind das wirklich Experten wenn es um Corona, Maskenpflicht, Maßnahmen, Genveränderungen bei Impfungen etc. geht?
Ich meine, mein Maurer kennt sich wegen seiner Erfahrung bestimmt super aus, was beim Hausbau geht und was nicht. Aber ich brauch ja trotzdem einen Statiker...
 
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User 14873

Aber wie erklärt Ihr, das sogar Leute die vom Fach sind ( Ärzte & Pflegepersonal als Beispiel ) so einigen Corona Blödsinn glauben ?
Ärzte sind überraschender Weise auch Menschen. Und repräsentieren die ganze Breite der Bevölkerung. Ich denke, dass Ärzte durch 2 Umstände gefährdet sind: Gerade die Niedergelassenen werden seit Jahren, spätestens seit Ulla Schmidt, m.E. tatsächlich von der Politik in ihren Interessen ignoriert. Das ist meine Meinung. Und dazu kommt, dass sich quasi natürlicher Weise eine gewisse Anzahl an narzisstischer Weltenrettern unter ihnen befindet. Und diese Kombination aus tief eingegrabener Politik-Skepsis und dem Selbstverständnis von „Ich-bin-klüger“ führt dann bei einigen zur Bandbreite zwischen unreif-kindlicher Opposition bis hin zum manifesten - aber auch sonst am Leben gescheiterten - Coronaleugner.

Bei manchen - Baldauf, Bhakdi - unterstelle ich schlichte finanzielle Interessen. Auf Deutsch: Lügner und Betrüger.
 
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User 21934

Die art wie Google ( Youtube) funktioniert trägt dazu bei. Lese ich mir Verschwörungstheorien durch und suche danach werden einem immer mehr Videos und Artikel zu dem Thema vorgeschlagen. Man ist dann irgendwann in einer art Blase wo man nurnoch solche Fakenews zusehen bekommt. Dazu kommt noch das es viele gibt die diesen Mist verbreiten weil man damit auch Geld verdienen kann.

 
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User 2446

Ein Thema, zu dem man vermutlich ewig diskutieren könnte. Gründe wird es wie Sand am Meer geben und es wird immer viele kleine Aspekte brauchen, die zusammenkommen müssen. Niemand, der alt genug ist, um darauf zu kommen, dass das mit dem Weihnachtsmann nicht so ganz überzeugend war, glaubt einfach von heute auf morgen irgendwelche komplett absurden Theorien.

Die Bereitschaft, daran zu glauben, dass Dinge ständig manipuliert und heimlich gesteuert werden, ist jedenfalls weit verbreitet und sie nimmt scheinbar zu, je mehr Information man den Leuten verfügbar macht. Garniert mit der Befriedigung, die es einem gibt, wenn man etwas weiß, was andere noch nicht wussten . . . da kommt man dann auch recht rasch in Kontakt mit Dingen, die keiner wusste, weil's einfach kompletter Quatsch ist.

Man muss doch nur mal den Sport ansehen. Was da für Ideen aufkommen, dazu, was alles geplant und gesteuert ist. Weil man weiß, dass vieles gesteuert und manipuliert wird, vermutet man es plötzlich überall. Und irgendeine anonyme, unnahbare Elite steckt dann dahinter, mit ganz verwerflichen Absichten.

Und machen wir uns Nichts vor, mit genug Geduld und Wiederholung, kann man den Leuten enorm viel einreden. Die bringen sich dann gegenseitig um, weil die einen wirklich glauben, dass vor 2000 Jahren ein Zimmermann an ein Kreuz genagelt wurde, damit wir alle ins Paradies kommen und die anderen das für Quatsch halten, aber ewige Strafe befürchten, wenn sie Schweinefleisch essen.
Religion ist hier kein erlaubtes Thema, aber wenn man sich mal Gedanken dazu macht, was die so alles erzählen und was alles geglaubt wird, wirkt das mit den Verschwörungstheorien plötzlich gar nicht mehr so ungewöhnlich.
 
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User 4652

Menschen sind nun mal beeinflussbar, ist nix neues. Was bringt es darüber zu diskutieren, verstehe ich nicht. Und alles worüber man die Wahrheit nicht kennt oder weiß sind Theorien, von vielen wird halt was als unsinnig oder selbstverständlich dargestellt weil man entsprechender Überzeugung ist. Im Prinzip kann da dann keiner belegen ob er recht hat oder nicht zu einem bestimmten Thema. Wer aber glaubt das man zu allen Themen stets nur die pure Wahrheit vermittelt bekommt der hat schon enormes "Gottvertrauen" und ist mit großer Wahrscheinlichkeit leicht zu manipulieren.
 
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User 14873

Verschwörungstheorien sind einfach in vielfacher Hinsicht unerhört attraktiv.

Sie befreien mich von jeglicher Verantwortung. Nicht ich habe mein Leben in den Sand gesetzt, sondern mein Sein wurde von einer höheren, entweder unbekannten oder zumindest undefinierbaren Macht bestimmt.

Als jemand, der die Verschwörung durchschaut, gehöre ich zu etwas, was ich im RealLife nie erlebt habe: zu einer Elite. Ich durchschaue, was die ganzen Schäfchen nicht mal ahnen. Ich bin wissend gegenüber all den Unwissenden.

Widersprüche, z.B physikalischer, chemischer, sozialer, psychologischer Natur sind keine Beweise gegen, sondern absolut FÜR die Genialität der Verschwörung. Stichwort: Wunder. Wer so etwas kann, hat die Welt im Griff. Sachlichkeit ist nur der Beweis, wie sehr die „Verschwörer“ die Welt manipulieren und heimlich regieren.

Die Methoden sind entsprechend: In erster Linie der Anspruch auf die Absolute Wahrheit. Der Vorwurf der Manipulation, wo manipuliert wird, Abwertung (z.B. der Medien), wo diskriminiert wird, Interpretation von Wahrheit, die von Lüge nicht zu unterscheiden ist.

Am Ende sind Verschwörungstheorien ein (narzisstischer) Angebot, was einige nicht ablehnen können.

Mit „Meinung“ haben Verschwörungstheorien nichts zu tun.
 
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User 561

Wer aber glaubt das man zu allen Themen stets nur die pure Wahrheit vermittelt bekommt der hat schon enormes "Gottvertrauen" und ist mit großer Wahrscheinlichkeit leicht zu manipulieren.
Viele dieser Theorien sind leicht widerlegbar, weil wir das Wissen dazu haben, um Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. Es geht sehr sehr vielen Fällen nämlich gar nicht um Glauben, oder um Meinung.

Genau das ist ja der Punkt, der mich so gruselt. Wie viele Diskussionen zwischen erwachsenen Menschen werden - auch hier - geführt, in denen Grundlagenwissen angezweifelt wird?
 
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User 2692

Das Leben heute ist unheimlich komplex geworden und überfordert viele (mich manchmal eingeschlossen ;) ). Wir verstehen schon längst nicht mehr alle Zusammenhänge dessen, was um uns herum passiert. Zeitgleich sorgt eine allgegenwärtige Reizüberflutung dazu, dass wir uns immer mehr abgewöhnen Prozesse in der Tiefe zu begreifen - lieber machen wir vier Sachen gleichzeitig und oberflächlich, als uns einer Sache vollständig zu widmen. Wer von euch hat beim TV-Schauen nicht irgendwann das Handy in der Hand?

Ohne jetzt eine Quelle herauszusuchen (und werft mich jetzt bitte nicht auch in die Verschwörungsecke), habe ich vor einiger Zeit in einem Artikel gelesen (Spiegel?), dass sich durch die vorgenannten Umstände eigentlich eingefahrene Denkstrukturen im Gehirn verändern. Deshalb können wir uns heute kaum noch eine Handynummer merken, oder finden keine Adresse in einer fremden Stadt ohne Navi.

Ohne diesen (geistigen) Tiefgang hängen manche in einer Beliebigkeit ohne eigene Identität fest.. und plötzlich werden ausgefallene und abstruse Ansichten attraktiv, weil man sich von der Masse abhebt und plötzlich Beachtung findet. Je radikaler die Ansichten, desto größer die Aufmerksamkeit. Ich glaube nicht, dass viele das bewusst machen - unsere Gefühlswelt spielt uns gerne Streiche, auch wenn es um Logik geht. Wenn ich etwas nicht glauben will, stimmt es nicht.

Ich denke bei vielen Verschwörungstheoretikern ist es die Flucht in eine scheinbar bessere Welt - weil ich plötzlich für einen Standpunkt stehe, der mich profiliert.
 
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User 4652

Viele dieser Theorien sind leicht widerlegbar, weil wir das Wissen dazu haben, um Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. Es geht sehr sehr vielen Fällen nämlich gar nicht um Glauben, oder um Meinung.

Genau das ist ja der Punkt, der mich so gruselt. Wie viele Diskussionen zwischen erwachsenen Menschen werden - auch hier - geführt, in denen Grundlagenwissen angezweifelt wird?
Wer hat gesagt das ich über Grundlagenwissen geschrieben habe? Es gibt dafür tausende Themen und tausende Beispiele, da gehts nicht immer um Grundlagenwissen. Wie gesagt, wer alles glaubt ist leicht zu beeinflussen, denke darüber braucht man nicht diskutieren, das wäre widerum ein Beispiel für Grundlagenwissen.
 
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