VRRC #5 Deutschland Rennbericht

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User 10920

VRRC #5 Deutschland Rennbericht

Zum 5.Lauf der VRRC 2016, der Rallye Deutschland, trafen sich die Teilnehmer in Baumholder auf dem legendären Truppenübungsplatz im Hunsrück. Lediglich 33 Starter gingen bei dieser Asphaltrallye über 112,41 km an den Start, was aber der Spannung keinen Abbruch tat.

M. Horwath war stinksauer. Der Mitfavorit auf den Gesamtsieg der Deutschlandrallye hatte mit einem schwächelnden Ford Fiesta WRC zu kämpfen und somit keine Chance die Zeiten der Spitze mitzugehen. „Das war mit Abstand die schlimmste Rally überhaupt. Die Erwartung war, vorne mitgeigen zu können. Jedoch, und diesesmal ist es leider so, ist der Fiesta Chancenlos gegen den VW.“
Teamchef M.Wilson suchte nicht lange nach einer Entschuldigung. „Wir können mit unserem Budget in der Entwicklung mit VW nicht mithalten. Vor allem auf Asphalt ist der Unterschied zur Konkurrenz angewachsen.“
Horwath konnte das wenig trösten. Nach einer für ihn desaströsten Veranstaltung und den Ausfall auf WP 8 liebäugelte er noch während der Veranstaltung mit einem Fahrzeugwechsel zu VW. Letztendlich war Roland Rauch als fünftplatzierter der schnellste Fordfahrer, allerdings mit einem Focus aus dem Jahr 2007, einer Zeit wo Ford noch den Titel in der Herstellerwertung gewann.


Zum Renngeschehen an der Spitze... Finnlandsieger J.Sentkowski galt aufgrund seiner grandiosen Trainingszeiten als Favorit und wurde dieser Rolle auch gerecht. Er gewann die Deutschlandrallye und holte damit den zweiten Sieg in Folge. Einzig M.Möckl konnte ihm Paroli bieten. Am Ende einer sehr spannenden Rallye teilten die beiden sämtliche Prüfungsbestzeiten gerecht mit 6:6 unter sich auf.

Den besseren Start erwischte Möckl mit Bestzeiten auf den WP´s 1-3, die Prüfungen 4 + 5 gingen an Sentkowski. Die Abstände waren aber nur minimal. Möckl führte am Ende des 2.Tages mit 1,4 Sekunden Vorsprung, Sentkowski hatte allerdings auf SS3 einen Fehler, bei dem er ein paar Sekunden einbüßte.

Ebenso verlief der 3. Tag. Möckl, laut eigenen Aussagen bis dahin mit einer nahezu fehlerfreien Rallye konnte sich im Etappenziel mit 5,2 Sekunden vor seinem Verfolger behaupten. Diesesmal hatte Sentkowski in WP 7 einen Patzer, der ihm knapp 4 Sek. kostete. Die Entscheidung fiel also wie in Finnland erst am letzten Tag der Veranstaltung und Möckl ahnte, das es ohne einen Fehler seines Widersachers eng werden würde. Sentkowski legte vor, setzte im strömenden Regen auf SS 10 eine grandiose Zeit und beendete auch die Prüfungen 11 und 12 fehlerfrei und mit starken Zeiten. Jetzt lag es an Möckl und wieder machte er unter Druck Fehler. Den mühsam herausgefahren Vorsprung büßte er bereits auf WP 10 ein, ehe er auf WP 11 wegen eines Fehlstarts mit 10 Strafsekunden belangt wurde. Die Rallye war somit gelaufen und der verdiente Sieger hieß abermals J.Sentkowski.

Sentkowski´s Kommentar zu Möckl´s Fehlstart und zum Sieg : „Da knattert man die ganze Zeit in fast jeder Kurve ins Aus weil man am pushen ist und dann machst du sowas? Schade für dich, ich hab eigentlich nicht mehr damit gerechnet die Rally zu gewinnen. Tja, wieder ne unerwartete Wendung, wieder ein Sieg....das ist hier die reinste Achterbahnfahrt!“
Möckl meinte dazu: „Nein Jan, das ist schon in Ordnung so. Bei der Deutschland warst du definitiv schneller, in Finnland hätte ich mehr Chancen gehabt. Ich glaube auch nicht, das es in D ohne Fehlstart gereicht hätte. Wie gesagt, du warst einen Tick schneller und somit war´s verdient. Gratulation.“

Platz 3 ging wie in Finnland an P.Muller. Gehandicapt mit einer Fußverletzung startete er laut eigenen Aussagen „mit ordentlich Dampf im Bauch“ und hatte nach 2 Wertungsprüfungen lediglich 4,9 Sek. Rückstand auf den Führenden. „Dass das nicht gut gehen kann, merkte ich in der 3.WP als ich einige kleinere Fehler beging“, so Muller im Ziel der 3.Prüfung. Der Rückstand wuchs an auf über 15 Sekunden. Ab diesem Zeitpunkt konzentrierte er sich auf die Absicherung seines dritten Platzes und spulte ohne Fehler die restlichen km ab. Eine blitzsaubere Vorstellung, trotz Beinschiene und heftigen Schmerzen. Sein Fazit im Ziel... „Die zwei vor mir sind total krank gefahren... Aber trotzdem, eine wie angekündigt, enge und tolle Rallye.“ 46 Punkte nimmt Muller aus Deutschland mit und liegt weiterhin souverän auf Platz 2 der VRRC Tabelle, lediglich 17 Punkte hinter dem Führenden Möckl.

Mit einer sensationellen Leistung landete als bester Nicht-VW-Fahrer L.Przbylski auf Platz 4. Sensationell deswegen, weil er auf einem „Uralt“ Subaru Impreza aus dem Jahr 2001! an den Start ging. Dabei schien die Rallye bereits nach WP 2 keinen guten Verlauf zu nehmen. Der Teeliebhaber (grüner Tee!!) dazu: „Irgendwie traf ich die Linie nicht richtig und warum auch immer, schaltete ich noch zu früh in den vierten und untersteuerte in Richtung Tor/Zuschauer. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.“ Der Ausrutscher kostete viel Zeit, aber die Zuschauer taten ihr bestes und schoben den demolierten Subaru zurück auf die Strecke. Mit konstanten Zeiten, immer unter den Top 6, konnte sich Przbylski von einem zwischenzeitlichen 11. Gesamtrang bis auf Rang 4 nach vorne fahren. Sein bis dato bestes Saisonergebnis. Wir sind gespannt, was wir von ihm in dieser Saison noch erwarten können.

Auf Platz 5 im Ziel, der bereits erwähnte Roland Rauch auf einem Ford Focus, Modelljahr 2007. Er fuhr auf allen Wertungsprüfungen konstant unter den Top 7, lediglich auf SS 4 verlor er wegen eines Fehlers etwas Zeit. Am Ende dürfte er aber mit den eingefahrenen 44 Punkte sehr zufrieden sein... in der Gesamtabrechnung bedeutet dies weiterhin den sehr guten 3. Rang. Der Österreicher war für einen Kommentar leider nicht erreichbar. Die Sprachbarriere war zu groß J

Als sechster ins Ziel kam M.Löhner. Er hatte einen Fehler auf SS6, wo er knapp 40 Sekunden verlor und so einen möglichen 4. Gesamtrang verschenkte. Auf Rang 7 folgte ihm S.Mönig, der nach eigenen Aussagen bereits froh war, die Rallye ohne Unfall beendet zu haben. Unter diesen Gesichtspunkten ein feines Ergebnis.

Achter wurde D.Baum, auf einem Ford Focus 2001. Bereits auf WP 1 verlor er einiges an Zeit, kam aber ansonsten ohne größere Probleme durch. Richtig zufrieden war er aber im Ziel nicht. Sein Kommentar: „Yipp, bin diesmal angekommen, zwar mehr schlecht als recht, aber was soll´s. Ich hab halt an meinem Setup rumgefummelt und dachte so ist es cool, doch das war nicht ganz so, denn das Auto schob sehr oft über alle 4 Räder nach aussen.“

Auf Platz 9 kam F.Naaß ins Ziel, ganz knapp vor P.Geyer, der die Top 10 komplettierte. Geyer hatte Riesenpech auf der letzten Wertunsprüfung. Ein Reifenschaden kostete ihm einiges an Zeit und einen möglichen 8. Gesamtrang.


Weitere Stimmen im Ziel:

A.Knapp als gesamt 11. meinte, „Auf jedenfall hatte ich viel Spaß obwohl ich bis zum Schluss nicht zufrieden mit dem Setup war. Auf den beiden "feuchten" Prüfungen ging mein Impreza sogar etwas besser als im trockenen. Ein großes Lob schonmal an die Jungs vor mir.“
D.Fingerhut (Platz 12): „So, ich bin jetzt durch. In der vorletzten Etappe durch 2 blöde Fehler einen besseren Platz weggeschmissen. Trotzdem unterm Strich sehr zufrieden.“
D.Reitstätter holte sich vor dem Start noch einige Setuptipps und wurde 13. Dahinter D.Krocker, der mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein dürfte. Als 15. im Ziel, T.Neuendorf. Er verlor auf der letzten Prüfung ein mögliches Top 10 Resultat.

Rede und Antwort gab uns auch D.Tobisch (Platz 17). „Im Großen und Ganzen gibt es nichts besonderes zu berichten. Hab versucht sauber zu fahren und keine Fehler zu machen. Bis auf ein paar Verbremsern ist mir das hervorragend gelungen. Respekt an die Leistung der Topleute. Hat Spaß gemacht und freue mich bereits auf die nächste Rallye.“

S.Blecher (Platz 23): „Bin eigentlich für meine Verhältnisse sauber am Limit durchgekommen. M.Hoehn hat mich in der allerletzten Etappe noch überholt ... mit 2 sek Vorsprung.“

R.Fiebig (Platz 25): „Die ersten drei Etappen war ich richtig gut drin und es lief super. Die letzten beiden Etappen aber wieder viel zu viel Mist gebaut. Mir fehlt einfach die Konstanz.“

Y.Lederle (Platz 26): „Hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht und freu mich schon auf die nächtse Rallye.“
Insgesamt sahen von 33 Startern 27 das Ziel. Unter den Ausgefallenen findet man leider auch R.Stadelmann, der furios startete und vor seinem Ausfall nach WP 5 noch auf Gesamtrang 6 zu finden war.

Endstand Rallye Deutschland:
1.Sentkowski 58:16 – 2.Möckl +20 – 3.Muller +53 – 4.Przybylski +1:21 – 5.Rauch +1:46 – 6.Löhner +2:00 – 7.Mönig +2:25 – 8.Baum +3:11 – 9.Naaß +3:42 – 10.Geyer 3:52

Bestzeiten: Sentkowski 6, Möckl 6

Stand VRRC nach 5 von 12 Läufen:
1.Möckl 247 – 2.Muller 230 – 3.Rauch 202 – 4.Naaß 197 – 5.Reitstätter 163 – 6.Krocker 158 – 7. Hempel 149 – 8.Grübner 144 – 9.Horwath 141 – 10.Tobisch 132

Zur nächsten Rallye der VRRC geht es nach Griechenland. Eine verhältnismäßig langsame, aber technisch sehr schwierige Rallye.
 

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User 14509

Wie immer ein grosses Dankeschön, für diesen grandiosen Rennbericht.
Meine persönliche Meinung.
Grexitland wir die Rally mit den meisten Ausfällen bei den "Nichttrainierern".
Generell habe ich in Greece mein höchste Ausfallquote.
Grüsse aus dem Land der Sprachbarrieren.
 
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User 11147

:daumen:
Wie immer schön zu lesen und man bekommt auch nen Eindruck vom Kampf weiter hinten. ;)
 
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User

Traumhaft geschrieben. Super Sache! Danke dass ihr unserer Liga so einen genialen Rahmen verschafftt!!
 
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User 12844

Finde ich sehr nett auch mal paar Stimmen aus dem hinteren Feld mit einzubauen :)
 
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User 987

Hut ab, so ein Bericht zu verfassen, man glaubt, man wäre wieder mitten im Geschehen ;)
 
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User 8739

Danke für diesen super Rennbericht. Ist richtig gut geschrieben. Ich freu mich schon wie ein Schnitzel auf Griechenland.
 
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