VRRC #4 Finnland Rennbericht

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User 10920

VRRC #4 Finnland Rennbericht

Die Rallye Finnland, 4. Lauf zur VRRC 2016, war gespickt mit Dramen, Enttäuschungen aber auch mit Überraschungen. 140,44 WP-km über ultraschnelle, wellige Pisten mit Sprüngen weit über 50 m verlangten den Piloten und Fahrzeugen alles ab. Fehler dürfte man sich bei dieser Rallye nicht viele erlauben, denn die endeten meist mit Totalschaden tief in den finnischen Wäldern. Eine Materialschonende und trotzdem schnelle Fahrweise mit Blick auf Kühler, Motor und Radaufhängung war gefragt.


M.Horwath, zweitplatzierter in der aktuellen Meisterschaftstabelle, kam zu Beginn der Rallye am Besten zurecht. Mit 3:07,2 setzte er die erste Bestzeit. Dicht dahinter folgten der Meisterschaftsführende M.Möckl (+0,9 Sek.) sowie VRRC Neustarter J.Sentkowski (+1,7 Sek). Mit Respektabstand folgte als viertplatzierter F.Naaß (+8,8 Sek.) vor R.Rauch auf seinem „historischen“ Focus WRC aus dem Jahr 2007 (+9,4 Sek). Mitfavorit P.Muller (Gesamtdritter in der VRRC Tabelle) hatte hingegen einen denkbar schlechten Start. Ein Dreher auf SS1 und 10,7 Sek. Rückstand bedeuteten Rang 8. Noch schlechter erging es D.Krocker. Als viertplatzierter in der Meisterschaftstabelle angereist, musste er gleich auf der 1. Prüfung einen Ausfall hinnehmen und reist somit mit 0 Punkten aus Finnland ab.

Ergebnis nach Tag 1: 1.Horwath 3:07,2 – 2.Möckl +0,9 – 3.Sentkowski +1,7 – 4.Naaß +8,8 – 5.Rauch +9,4 – 6. Przbylski +9,8 – 7.Stadelmann +10,6 – 8.Muller +10,7 – 9.“Mr Dark Town“ +10,8 – 10.Voigt +15,8


Die erste Hälfte des zweiten Tages gehörte VRRC-Neustarter J.Sentkowski. Mit 2 starken Bestzeiten auf den Stages Nr. 2+3 setzte er sich an die Spitze vor M.Horwath (+7 Sek) und M.Möckl (+10 Sek). P.Muller auf Gesamtrang 4 hatte nach der 3.Prüfung bereits einen Rückstand von 27 Sek.. Auf P5 schob sich R.Stadelmann (+38 Sek) vor F.Naaß (+42 Sek) und S.Mönig, der sich von Rang 18 nach vorne arbeitete.
Auf den Stages 4+5 konterte M.Möckl. 9 Sekunden holte er auf und schob sich bis auf 1 Sekunde an Sentkowski heran. M.Horwath konnte auf Grund gesundheitlicher Probleme keine vernünftigen Zeiten fahren und schied auf WP 5 aus. Ein herber Rückschlag für ihn im Kampf um die Meisterschaft. Auf diesem Weg nochmals gute Besserung... Neuer drittplatzierter der Rallye Finnland war somit P.Muller (+37 Sek), der mit konstanten Zeiten seine Position festigte. Ihm folgte S.Mönig auf P4, der sich vor allem auf Grund seiner starken drittschnellsten Zeit auf SS5 immer weiter nach vorne schieben konnte. Dahinter platzierte sich F.Naaß, der trotz Problemen einen Platz gutmachen konnte. Auch weil R.Stadelmann auf WP 5 ausschied und somit nach Wales (wo er nicht am Start war) eine weitere Nullrunde hinnehmen muss. Was fiel uns sonst noch auf? A.Frommherz, nach WP 1 noch auf Rang 14, war am Ende des 2. Tages bereits auf Rang 6 nach vorne gefahren. M.Durhold konnte auf WP 5 mit einer 5.Zeit ein Ausrufezeichen setzen, war aber aufgrund vorheriger Probleme im Gesamtklassement lediglich auf P14 zu finden. Der stark gestartete L.Przbylski hatte hingegen weniger Glück und musste einen Ausfall hinnehmen.

Ergebnis nach Tag 2: 1.Sentkowski 22:43 – 2.Möckl +1 – 3.Muller +37 – 4.Mönig +1:20 – 5.Naaß +1:47 – 6.Frommherz +1:54 – 7.Rauch 2:09 – 8.Baum 2:16 – 9.Reitstätter 2:20 – 10.Buchheim 2:25

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Möckl machte diesmal auch seine Fehler

Aus dem Dreikampf an der Spitze blieben nach Horwaths Ausfall nur noch 2 Fahrer übrig. Der Führende Sentkowski startete mit einem Überschlag denkbar schlecht in den dritten Tag, hatte aber Glück, dass der Schaden am Auto lediglich kosmetischer Natur war. Möckl hingegen startete furios und konnte sich nach WP 6 erstmals im Laufe dieser Rallye an die Spitze setzen. Ein Krimi begann und die beiden Führenden schenkten sich nichts.
Stand an der Spitze nach WP 6: 1.Möckl – 2.Sentkowski +9....
nach WP 7: 1.Möckl – 2.Sentkowski +9...
nach WP8: 1.Möckl (Dreher mit Einschlag) – 2.Sentkowski +3...
nach WP9: 1.Möckl – 2.Sentkowski +7

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Hartes Brot für jeden Mechaniker, Muller fliegt

Dahinter weiterhin P.Muller auf P3, S.Mönig auf P4. und R.Rauch, jetzt auf P5. Den größten Sprung im Gesamtklassement machte aber T.Neuendorf. Nach Tag 2 noch auf einem enttäuschenden 11. Platz, konnte er sich im Laufe des dritten Tages bis auf Rang 6 nach vorne arbeiten. S.Buchheim hingegen war weniger glücklich. Nach einer eher durchwachsenen Rallye folgte der Ausfall auf WP 7 nach einem Überschlag. Ansonsten fiel uns noch ein Neustarter in der VRRC auf... Pascal („elkloso“) startete katastrophal in die Rallye, konnte aber auf WP 6 die sechstschnellste und auf WP 7 die fünftschnellste Zeit setzen. Leider musste aber auch er die Segel streichen und auf WP 8 einen Ausfall hinnehmen.

Ergebnis nach Tag 3: 1.Möckl 42:47 – 2.Sentkowski +7 – 3.Muller +1:11 – 4.Mönig +2:27 – 5.Rauch +3:35 – 6.T.Neuendorf +4:07 – 7.Baum +4:11 – 8.Reitstätter +4:15 – 9.Frommherz +4:22 – 10.Geyer +4:34

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Fingerhut mit leichten Blessuren

Der letzte Tag der Rallye Finnland hatte es nochmal in sich. Knapp 40 WP Kilometer im strömenden Regen warteten auf die Protagonisten. Und es blieb spannend... Sentkowski nahm Möckl auf Stage 10 etwas mehr als 1 Sekunde und auf Stage 11 nochmals 1,7 Sekunden ab. Somit blieb Möckl ein Minimalvorsprung von 4,1 Sekunde vor der letzten Prüfung. Und da passierte es... In der vorletzten Kurve drehte er sich innen in einen Graben und konnte trotz mehrmaligen vor- und zurücksetzen nicht mehr weiterfahren. So hieß der einzige Ausweg „Wagen zurücksetzen“ und 15 Strafsekunden. Aber auch Sentkowski patzte und verlor rund 8 Sekunden aufgrund eines Überschlags. Im Ziel der WP fehlten Möckl 21 Sekunden. Der verdiente Sieger der Rallye hieß somit J.Sentkowski, der bei seinem ersten Start in der VRRC gleich einen Sieg feiern durfte.

Zieleinfahrt des Siegers Sentkowski

Ein enttäuschter Möckl gab im Ziel zu Protokoll: „Ich hatte alles richtig gemacht und dann so ein idiotischer Fehler. Aber... Schwamm drüber. Herzlichen Glückwunsch an Jan.“
Sentkowskis Kommentar dazu: „Danke erstmal für die Glückwünsche... Ich wusste, dass ich nicht hinten sein werde, aber in Finnland zu gewinnen ist schon was besonderes für mich persönlich. War ne schöne erste Rally in einer Liga für mich, kann so weitergehen. Gratulation an alle Ankommer.“

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Muller auf Podiumskurs

Platz 3 sicherte sich souverän P.Muller, der eine Rallye mit vielen Drehern und Ausritten erlebte. Wirklich zufrieden war er nur mit seiner Bestzeit und dem damit gewonnenen Bonuspunkt auf der abschließenden Powerstage. Sein Kommentar dazu: „Auf der letzten WP kam so ein "naja jetzt kannst ja Vollgas geben, danach musst du nicht mehr reparieren" Gefühl, das ich dann auch mit ner 6:57 umsetzte. Ich holte alles aus diesem Polo raus. Rally war toll, ich bin zufrieden, schön wars!“
Platz 4 ging an S.Mönig. Nach Platz 19 in Wales eine deutliche Steigerung. Er meinte ob der gefahrenen Zeiten an der Spitze kurz und knapp... „Glückwunsch ans Podium! Großer Respekt vor diesen Zeiten, das ist unglaublich schnell.“
Fünftplatzierter in der Endabrechnung wurde R.Rauch vor D.Reitstätter, der am letzten Tag noch zwei Plätze gewinnen konnte. Reitstätters Kommentar zu seiner Rallye mit vielen Drehern und Einschlägen: „Ich bin aufgrund von absolutem Zeitmangel fast ohne Training und Setupeinstellung ins Rennen gegangen. Umso größer war meine Verwunderung als ich auf Platz 6 liegend im Ziel ankam.“

Auf Platz 7 kam P.Geyer bei seinem ersten Start in der VRRC in´s Ziel. „Gestern angemeldet, heute Platz 7 , was will man mehr. Hab zwar eine verhaltene Rallye gefahren, vor den Sprüngen Gas weg, um sanfter zu landen, sonst wäre der Polo wohl auseinander gefallen.“

Der achtplatzierte A.Frommherz war mit seiner Rallye nicht zufrieden. „Einfach zu viele Fehler, Reifenschaden und einfach rein ohne trainieren. Setup taste ich bisher eh nie an. Aber es macht einfach Spass, von daher sehe ich es auch nicht so eng mit den Fehlern.“

T.Neuendorf hatte auf der letzten Stage einen Reifenschaden und verlor dadurch einen sicher geglaubten 6. Gesamtrang. Er meinte aber trotzdem „Es hat dennoch Spaß gemacht und ich freue mich schon auf die nächste Rallye.“

Die Top Ten schließt R.Fiebig ab. Sein Kühler war gegen Ende der Rallye in einem desolaten Zustand. „Vor den letzten beiden Prüfungen dann doch lieber die Aufhängung von 15 auf 38% gebracht und mit 0% Kühler rein ... am Ende klang die Kiste immer schlimmer und schlimmer ... aber es hat gehalten.“

Schlimmer erwischte es D.Baum. Nach WP11 noch auf Rang 6 musste er auf der letzten Stage mit Motorschaden aufgeben.

Apropos Ausfälle. Von 40 Startern sahen lediglich 20 Teilnehmer das Ziel. Eine extrem hohe Ausfallquote und es bleibt zu hoffen, dass diese Statistik beim nächsten Lauf in Deutschland besser aussehen wird.

Endstand Rallye Finnland: 1.Sentkowski 59:46 – 2.Möckl +17 – 3.Muller +1:21 – 4.Mönig +3:35 – 5.Rauch +4:50 – 6.Reitstätter +5:35 – 7.Geyer +5:58 – 8.Frommherz +6:07 – 9.T.Neuendorf +6:42 – 10.Fiebig +6:42

Stage-Bestzeiten: Sentkowski 5, Möckl 5, Muller 1, Horwath 1

Stand VRRC nach 4 von 12 Läufen: 1. Möckl 199 – 2.Muller 184 – 3.Rauch 158 – 4.Naaß 157 - 5.Horwath 141 – 6.Reitstätter 127 – 7.Krocker 123 – 8.Hempel 120 – 9.Frommherz 118 – 10.P.Neuendorf 113
 
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User

Danke Euch für die Genesungswünsche und den sehr tollen Bericht. Das gibt dem ganzen den gewissen Rahmen! Danke! Deutschland kommt... meine / unsere Heimrally... die wird Super!
 
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User 987

Wahnsinn, solch ein packender Bericht, find ich echt prima - Note 1 -
 
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